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Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes

Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten

Kreisvereinigung Mülheim an der Ruhr e.V.

Postanschrift: VVN-Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, H. Hermann, Elisabeth-Selbert-Straße 39, 45473 Mülheim / Ruhr

Telefon: 0208 473571. E-Mail: hel.hermann@arcor.de.

M. Doetsch, Hingbergstr. 116. 45470 Mülheim / Ruhr. Telefon: 0208 32879. E-Mail: mddoetsch@freenet.de.

An die Mülheimer Zeitungen WAZ, NRZ und Mülheimer Woche

Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Bezirksvertreter der Mülheimer LINKEN in der BV 2, Andreas Marquardt, wird für die  nächste Sitzung der Bezirksvertretung 2 am 20. März einen Antrag zur Umbenennung der Fritz-Thyssen-Straße in Martha-Hadinsky-Straße einreichen. Nach der Mülheimer Bürgerin Martha Hadinsky wurde in jüngster Vergangenheit bereits ein Versammlungsraum im Mülheimer Gewerkschaftshaus benannt (die Mülheimer Presse berichtete zu diesem Thema).

Zum Thema Straßenumbenennung schicken wir Ihnen im Anhang einen offenen Brief mit der Bitte um Veröffentlichung.    

Die in der Vergangenheit begangenen Verbrechen durch Neonazis in der Bundesrepublik sind sicher auch ein Grund der mangelhaften Aufarbeitung der Zeit von 1933 bis 1945. Es ist unerträglich, wenn in unserer Stadt Fritz Thyssen immer noch mit einem Straßennamen geehrt wird. Fritz Thyssen war einer der Mülheimer Industriellen, der Hitler und der NSDAP 1933 mit viel Geld zur Macht verholfen hat. Wir empfehlen die Lektüre seines Buches „I PAID HITLER“, in dem er eine Spende an die NSDAP von mindestens 100.000 Reichsmark - schon vor 1933 - eingesteht. Thyssen, und auch andere Industrielle, kannten das Buch „MEIN KAMPF“, das von Hitler geschrieben wurde. Die Vernichtung des „Jüdischen Bolschewismus“ wurde dort schon angekündigt. Thyssen und andere Industrielle waren außerdem Mitglied in der NSDAP. Es ist nicht anzunehmen, dass ihnen die Absicht der Nazis, einen Krieg zu führen, unbekannt gewesen ist.

„Heute gehört uns Deutschland und morgen die ganze Welt“ singen heute die Neonazis wieder. Was ist das für eine Justiz, die die Gefahr durch die Neonazis nicht erkennen will. Sie, die Neonazis, holen sich ihre Sicherheit aus der unaufgearbeiteten Vergangenheit von 1933 bis 1945. Noch ist es Zeit das braune Gesindel zu verbieten, damit sie nicht mehr länger auch unsere Steuergelder kassieren können.

Wir dürfen mit Ihrer Unterstützung rechnen und verbleiben

mit freundlichen Grüßen           

Der Kreisvorstand
i. A.

H. Hermann                                    M. Doetsch                               D. Doetsch
Kreisvorsitzender                             Stellvertreter                            Kassiererin  

 

Offener Brief der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Mülheim an der Ruhr e. V. zum Antrag der Straßenumbenennung Fritz-Thyssen-Straße in Martha-Hadinsky-Straße

Die Kreisvereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten unterstützt den Antrag von DIE LINKE in Mülheim an der Ruhr, die Fritz-Thyssen-Straße in Martha-Hadinsky-Straße umzubenennen. Damit würde eine nach einem Befürworter und Unterstützer der Nazis benannte Straße aus unserer Stadt verschwinden und eine Antifaschistin in Mülheim an der Ruhr geehrt werden. Fritz Thyssen hat in seinem Buch „I PAID HITLER“ seine Kontakte zu Hitler sowie seine Unterstützung für Hitler und die NSDAP selbst eingestanden.
Martha Hadinsky hat die Losung der Antifaschisten „Wer Hindenburg wählt, wählt Hitler – wer Hitler wählt, wählt den Krieg“ ernst genommen. Sie hat sich in der Zeit von 1933 bis 1945 mit vielen anderen für Frieden und Freiheit eingesetzt. Die Konsequenzen von Krieg und Zerstörung haben die Menschen weltweit erfahren müssen. 1945 waren über 60 Mil. Menschen tot und Europa lag in Trümmern.

Nach 1945 ist Martha Hadinsky ihrer Einstellung treu geblieben und hat sich mit tausendfacher Unterstützung gegen die Einführung der Wehrpflicht eingesetzt. Besonders auch deshalb, weil Offiziere der Bundeswehr aus der Naziwehrmacht übernommen wurden. Für die deutsche Justiz, die bis heute die Nazivergangenheit in ihren Reihen noch nicht aufgearbeitet hat, waren die Aktivitäten von Martha Hadinsky für Frieden und Abrüstung ein Grund, sie 1959 erneut wegen Staatsgefährdung zu 14 Monaten Gefängnis und danach noch zu weiteren 6 Monaten Beugehaft  zu verurteilen.  Schon 1936 wurde sie wegen Staatsgefährdung zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. So wurde von der Justiz die Bundesrepublik mit dem Nazistaat gleichgesetzt.

 1943 wurde Marta Hadinsky mit Schwindsucht schwer krank vorzeitig entlassen. Der Rest der Strafe wurde auf Bewährung bis 1947 ausgesetzt.  Die Inhaftierung in der Nazizeit hat Martha Hadinsky durch die Pflege der Angehörigen überlebt. Wie in ihrer Akte im Stadtarchiv vermerkt, hat sie nach dem 8. Mai 1945 Kuren an unterschiedlichen Orten machen können, die mit zum Überleben beigetragen haben. Nach der erneuten Verurteilung 1959 durch das Oberlandesgericht in Dortmund zu 14 Monaten Gefängnis, wurde sie anschließend nochmals zu 6 Monaten Beugehaft verurteilt, weil sie ihre Freunde nicht verraten wollte. Martha Hadinsky hat zunächst auch diese Zeit überlebt. Aber die gesundheitlichen Schäden waren so groß, dass sie 1963 verstarb. Die ihr für die Zeit der Inhaftierung in der Nazizeit zuerkannte Zahlung einer Entschädigungsrente wurde durch Gerichtsbeschluss nicht nur eingestellt, sondern die bis dahin gezahlte Entschädigung von 3265,50 DM wurde zurückverlangt.

Thyssen, der wie viele Industrielle und Banken in Deutschland Hitler und die NSDAP 1933 mit Millionen-Beträgen zur Macht verholfen hatte, wurde bei der Entnazifizierung, 1945 bis 1948, zwar zu einer Geldstrafe verurteilt, hat aber wie alle Industriellen die Produktionsstätten selbst zurück erhalten. Er ist 1951 in Argentinien verstorben und wurde später in der Familiengruft auf Schloss Landsberg beigesetzt.    

 

Der Kreisvorstand

i. A.

Helmut Hermann                         Michael Doetsch                              Doris Doetsch   
Kreisvorsitzender                        stellv. Vorsitzender                         Hauptkassiererin  


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Leserbrief von Helmut Hermann, Kreisvorsitzender der VVN-BdA Mülheim an der Ruhr, zur Sitzung der BV 2 in der Willy-Brandt-Gesamtschule am 20.03.2012

Die Sitzung der Bezirksvertretung 2 war öffentlich und hatte eine ausgiebige Tagesordnung. Sie wurde von der Bezirksbürgermeisterin Frau Rechlin-Wrede eröffnet und geleitet. Wegen der 34 Tagesordnungspunkte verwies die Bezirksbürgermeisterin öfter auf die Zeitnot. Eine kritische Anmerkung sei erlaubt: Die Akkustik in der Mensa der Schule war nur mit Mikrofonen erträglich, von denen zu wenig vorhanden waren.

Punkt 10 der Tagesordnung war die Umbenennung der Fritz-Thyssen-Straße in Martha-Hadinsky-Straße. Antragsteller war der Bezirksvertreter Andreas Marquardt der Partei DIE LINKE. Die Kreisvereinigung der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten Mülheim an der Ruhr e. V. hatte im Vorfeld den Antrag mit einem Offenen Brief unterstützt. Die Bezirksvertretung erteilte Helmut Hermann durch Beschluss das Rederecht  zu diesem Tagesordnungspunkt. Die Vergangenheit von Fritz Thyssen, seine Mitgliedschaft in der NSDAP, die Geldzuwendungen für diese Partei, seine besonderen Beziehungen zu Hermann Göring und auch seine Rolle als Industrieller für Hitler, sowie die Umtriebe der heute aktiven Neonazis haben nicht ausgereicht für eine Zustimmung einer Mehrheit der Bezirksvertreterversammlung zu diesem Antrag. Da es sich bei dieser Straße um eine Kreisstraße handele sei die BV 2 nicht zuständig. Die Zuständigkeit liege hier beim Rat der Stadt. Den Antrag per Beschluss der Bezirksvertretung zum Rat der Stadt weiterzuleiten, dazu gab es in der Bezirksvertreterversammlung aber auch keine Mehrheit.

Eine weitere Wortmeldung zu diesem Tagesordnungspunkt von mir wurde, trotz beantragten und positiv entschiedenen Beschlusses seitens der Bezirksvertreterversammlung nur einige Minuten zuvor, von Frau Rechlin–Wrede, der Bezirksbürgermeisterin, nicht mehr zugelassen. Es handelte sich um meine kurze Frage: „Ob die Anwesenden der Bezirksvertreterversammlung durch den Krieg, der von den Faschisten von 1939 bis 1945 geführt wurde und den 60 Mill. Menschen mit ihrem Tod bezahlen mussten, keine Nachteile oder gar Opfer in der eigenen Familie zu beklagen haben?“
In Mülheim an der Ruhr gab es alleine bei einem einzigen Luftangriff über 800 Tote, von der Vielzahl der Kriegsverletzten ganz zu schweigen.

Dem Wunsch der Firma Thyssen nach einer Fritz-Thyssen-Straße ist in den 60-er Jahren der Rat der Stadt gefolgt. Zu diesem Zeitpunkt war das Buch von Hitler „Mein Kampf“ sicher noch gut in Erinnerung. Dieses Buch war auch das Programm der NSDAP. Der Krieg und die Ausrottung der Juden sind da ausdrücklich erwähnt. Fritz Thyssen war Mitglied der NSDAP. Ist er da Mitglied gewesen, ohne das Programm dieser Partei zu kennen? Um den Hinweis von Frau Bezirksbürgermeisterin zu übernehmen: Haben die Firma Thyssen und der Rat der Stadt dieses Parteiprogramm „Mein Kampf“ nicht richtig gelesen, das Fritz Thyssen durch seine Mitgliedschaft in der NSDAP anerkannt hat?  Wortwörtlich heißt es in dem Programm „Die Vernichtung des Jüdischen Bolschewismus“. Es bleibt zu hoffen, dass wenigstens der Direktor des Stadtarchivs bei den nun anstehenden Nachforschungen alle Dokumente richtig liest.

Zum Schluss bleibt zu hoffen, dass die Zeitungen diese Vergangenheitsaufarbeitung für so wichtig halten, um einer Veröffentlichung dieses Leserbriefs zuzustimmen.

              

NPD - Verbot Jetzt!

Umdenken und Kurskorrektur in der Auseinandersetzung mit der Neonaziszene notwendig

Kreisvereinigung Mülheim Logo anklicken

Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, Bund der Antifaschisten fordert angesichts der neuen Informationen über die vermutlich von einer Neonazi- Gruppierung innerhalb eines längeren Zeitraumes verübten Morde und Anschläge eine umfassende Aufklärung über das Versagen von Polizei und Verfassungsschutz sowie einen sofortigen neuen Anlauf zu einem NPD-Verbot.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung muss die Ermittlungen über die nicht vollständig aufgeklärten Mordfälle an drei Polizisten in Dortmund im Jahr 2000 und den antisemitischen Anschlag von Düsseldorf-Wehrhahn auch im Jahr 2000 wieder aufnehmen.

Unabhängig davon, ob sich alle Informationen bestätigen werden, steht fest: Die Überwachung und Kontrolle von Neonazis mit oder ohne NPD-Parteibuch durch Gewährsleute des Verfassungsschutzes hat sich einmal mehr als wirkungslos erwiesen. Schon die Antworten auf Anfragen an die Bundesregierung oder Landesregierungen ließen oftmals Unkenntnis über Umfang und Ausmaß rechter Aktivitäten vermuten. So verwundert es auch nicht, dass sich keiner der vermeintlichen Täterinnen und Täter im Visier von staatlichen Behörden befand oder mögliche Täterinnen- und Täterkreise und Zusammenhänge zwischen verschiedenen Verbrechen scheinbar ausgeschlossen wurden.

Während Vertreterinnen und Vertreter staatlicher Sicherheitsbehörden aber auch aus Politik und Medien die Gefahr eines wachsenden "Linksextremismus" und sogar eines "Linksterrorismus" beschworen, konnten Neonazis jahrelang unentdeckt morden. Stattdessen wird antifaschistischer und zivilgesellschaftlicher Protest gegen Naziaufmärsche kriminalisiert und führte in Dresden zu einer verdachtsunabhängigen Massenüberwachung von Handydaten und weiteren Repressionen sowie Einschüchterungsversuchen.

Die Morde aber auch die Zunahme von Brandanschlägen auf linke Projekte, wie auf das Anton-Schmauss-Haus der Falken in Britz, die Übergriffe auf Menschen, die nicht in das Weltbild von Neonazis und Rassisten passen, verlangen ein Umdenken in der Auseinandersetzung mit der Neonaziszene. Die absurde realitätsfremde Gleichsetzung von "Links- und Rechtsextremismus" gehört ebenso auf den Prüfstand wie die von der Bundesregierung (geschönte) Statistik über Opfer rassistischer und neonazistischer Übergriffe, da sie in keinem Verhältnis zu Erhebungen von Opferberatungsstellen und von Medien steht.

Die WN-BdA fordert deshalb die Bundesregierung und verantwortliche staatliche Behörden zu einer Kurskorrektur auf. Die wirkliche Gefahr für eine Demokratie und für Menschenleben geht nach wie vor von der menschenverachtenden Ideologie der Neonazis und Rassisten aus. Eine Kriminalisierung von Zivilcourage über einen Generalverdacht durch die Extremismusklausel ist zu beenden und Projekte gegen Rechts sind wieder verstärkt zu fördern.

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Ausländerfeindlichkeit ist erschreckend normal
Welt-Online, 18. Juni 2008
 
Studie

Ausländerfeindlichkeit ist erschreckend normal
 
Für viele Menschen in Deutschland sind ausländerfeindliche Ansichten selbstverständlich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Häufig unterscheiden die Deutschen demnach zwischen "guten" und "schlechten" Migranten. Zudem halten die Bürger nur wenig von der Demokratie.
 
Der Nährboden für rechtsextreme Tendenzen liegt nach einer wissenschaftlichen Studie in der Mitte der deutschen Gesellschaft. Als Kennzeichen nannten die Autoren in Berlin Ausländerfeindlichkeit, autoritäre Denkstrukturen, Politikverdrossenheit und Geringschätzung des demokratischen Systems.

Die Untersuchung "Ein Blick in die Mitte" im Auftrag der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung knüpft an eine repräsentative Umfrage von 2006 an, wie die Verfasser Elmar Brähler und Oliver Decker von der Universität Leipzig erläuterten. Von den damals 5000 Befragten hatten sich 50 Prozent im Westen und 75 Prozent im Osten unzufrieden über die Demokratie geäußert. Rund 39 Prozent fanden Deutschland von Ausländern überfremdet.

Für die jetzt vorgestellte Folgestudie über das Entstehen rechtsextremer Einstellungen führten die Wissenschaftler mit 60 der Befragten zwischen 2007/2008 zwölf Gruppendiskussionen. Vertreten waren Menschen mit allen politischen Einstellungen.

"Am gravierendsten ist die weit verbreitete Ausländerfeindlichkeit", sagte Ko-Autorin Katharina Rothe. Derartige Ressentiments würden mit besorgniserregender Selbstverständlichkeit geäußert - auch bei Personen, die in der erste Studie nicht durch rechtsextreme Äußerungen aufgefallen waren. Dabei werde zwischen "guten und schlechten Migranten" unterschieden, wobei es gegen Russlanddeutsche und Türken die größten Vorbehalte gebe.

Dazu tritt laut Decker eine neue Form des "kulturellen Rassismus". Als Standardargument zähle dabei die Formulierung "Die passen einfach nicht zu uns". Die Ausgrenzung von Ausländern oder von sozial Schwachen sei so gesellschaftsfähig.

"Alarmierend ist auch die Geringschätzung des demokratischen Systems", so Decker weiter. Demokratie sei für die meisten etwas "für die da oben", Wahlen seien unbedeutend, in den seltensten Fällen begriffen sich die Menschen als Subjekte in einem demokratischen Prozess. Demokratie werde nur geschätzt, wenn sie Wohlstand bringe. Gehe der verloren, lege das antidemokratische Einstellungen frei.
 
Als politische Konsequenzen aus der Untersuchung fordern die Autoren unter anderem eine weitere Demokratisierung von Institutionen, Schulen oder Betrieben und die Förderung der gesellschaftlichen Mitbestimmung. Auch warnen sie vor der Gleichsetzung zwischen NS- und DDR-Diktatur und fordern eine sensible Erinnerungskultur bezüglich der NS-Zeit. 

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