3. Dezember 2017

Volkshochschule – Spekulationsobjekt wider dem Willen der Bürger!


Es ist bereits viel über die Heinrich-Thöne-VHS geschrieben worden. Das Amt für Denkmalpflege hat die Schutzwürdigkeit der VHS bestätigt. Durch den eingeleiteten Denkmalschutz ist es denkbar schwierig für die Stadt, das Grundstück oder das Gebäude zu veräußern. Innerhalb des Stadtrates und der Stadtverwaltung muss es jedoch besondere Interessen geben, die eine weitere Nutzung der Volkshochschule am jetzigen Standort verhindern möchten. Anders ist es nicht zu erklären, warum bereitgestellte Gelder für die Sanierung des Gebäudes jahrelang nicht abgerufen worden sind. Spätestens seit dem Wettbewerb um die Sparkassenakademie war klar, dass die Volkshochschule für einen Großteil der Mülheimer Politik nicht mehr interessant ist und man stattdessen auf Prestigeprojekte setzt. Das aktuelle Verhalten der Stadtverwaltung und eines Großteil des Rates widersetzt sich ganz klar dem Bürgerwillen, der eine funktionierende Volkshochschule am jetzigen Standort befürwortet. Die Argumente wie Brandschutz und Statikprobleme werden vorgeschoben, um eine Sanierung weiter zu verhindern und das Gelände gewinnbringend zu vermarkten. Hier muss einfach ein vollumfängliches Sanierungsgutachten eingeholt bzw. ein Sachverständiger engagiert werden, welcher dann die notwendigen Sanierungsarbeiten auflistet, so dass mit der Sanierung sofort begonnen wird. Mehrere Gewerke könnten gleichzeitig stattfinden.


Die Stadtverwaltung kommt ihrer Daseinsvorsorge für die Volkshochschule nur noch notdürftig nach. Für das laufende Semester werden Räumlichkeiten jedweder Art gesucht, auch wenn sie nur teilweise geeignet sind. Die Zersplitterung der Institution Volkshochschule hat begonnen, indem die Kurse quer über das gesamte Stadtgebiet verteilt werden. Hiermit zerstört die Stadtverwaltung wieder bestehende Strukturen, in denen der Bürger der Nutznießer ist und in denen keine privatwirtschaftlichen Interessen Im Vordergrund stehen.


Die Volkshochschule ist seit Anbeginn ein Grundpfeiler der Erwachsenenbildung und wichtige Dienstleisterin für die Bürger Mülheims. Sie gibt den Bürgern die Möglichkeit der Fortzubildung und garantiert somit eine Teilnahme am Gesellschafts- und Kulturleben der Stadt. Das Gebäude der Volkshochschule ist bedeutend für die Menschen in unserer Stadt. Ein Erhalt des Gebäudes liegt aus wissenschaftlichen und künstlerischen Gründen im öffentlichen Interesse. Für den Erhalt sprechen die städtebaulichen, architektonischen und gestalterischen Qualitäten.


Aktuell können viele Kurse der Volkshochschule nicht wie geplant stattfinden und fallen teilweise komplett aus. Hiervon sind besonders die Kurse zur politischen Weiterbildung von Bürgern betroffen. Die Weiterbildung ist das Flaggschiff der Volkshochschule und garantiert somit öffentliche Wahrnehmung und Anerkennung. Gegenwärtig ist es eine betriebswirtschaftlich tendenziöse Politik, welche die Existenz öffentlich geförderter Bildung gefährdet: Es wird die Verwaltung „verschlankt“, es macht sich ein betriebswirtschaftlicher Imperialismus breit. Mit Imperialismus ist hier gemeint, dass alles aus betriebswirtschaftlicher Sicht betrachtet wird. Aber bei der VHS handelt es sich nicht um eine Einrichtung der Betriebswirtschaft, sondern um eine des Gemeinwohls. Und das Gemeinwohl besteht aus mehr und anderem, als aus der Summe betriebswirtschaftlicher Kosten-Nutzen-Rechnungen. Wer heute bei der VHS stolze Einsparungen vorzuweisen hat, wird in wenigen Jahren merken, dass im Innenbereich mehr Mittel für Polizei, Gefängnisse, im Gesundheitswesen mehr Geld für psychosoziale Betreuung und Suchtbehandlung bewilligt werden müssen. Der Grund dafür wird dann allerdings vergessen sein. Diese Unterschlagung von Wirklichkeit hat in Mülheim System. Keine andere Weiterbildungsinstitution bietet in dieser Breite und in dieser Vielfalt die Chance, die Kompetenzen zu erwerben, die es Menschen ermöglichen, am kulturellen Leben nicht nur teilzunehmen, sondern auch teilhaben zu können.


Als Lernort und Bürgerforum, Kultur- und Gesundheitszentrum ist die Volkshochschule elementarer Bestandteil der kommunalen Daseinsvorsorge und gehört deshalb zur infrastrukturellen Grundausstattung jeder Gemeinde.

Die Volkshochschule ist die einzige flächendeckende Weiterbildungseinrichtung im Land, die eine kontinuierliche Grundversorgung mit kultureller Bildung für alle Gruppen der Bevölkerung zu sozial verträglichen Preisen garantieren kann und garantiert.
• Als Dienstleistungs-Institution für Verwaltungen, Vereine und öffentliche Initiativen übernimmt die VHS vielfältige kommunalpolitische Aufgaben im Bildungs-, Kultur- und Sozialbereich. In etlichen kleineren Städten hat die VHS die Funktion des Kulturamts übernommen.
• Für ein facettenreiches kommunales Kulturleben sind die Angebote der VHS in Theorie und Praxis unverzichtbar, zudem verbessern qualitätsvolle VHS-Angebote das Image der Kommune und stärken den 'weichen Standortfaktor' Kultur und Bildung.
• Durch interkulturelle Bildung und Kommunikation leistet die VHS einen wesentlichen Beitrag zu Integration und gegenseitiger Toleranz und fördert damit die Weltoffenheit einer Gesellschaft, die sich der Globalisierung nicht verschließen kann. Interkulturelle Bildung leistet einen wesentlichen Beitrag dazu, dass aus Einwohnern unterschiedlicher Herkunft Bürgerinnen und Bürger einer Kommune werden.


Alles das sind Gründe dafür, die VHS am jetzigen Standort zu erhalten. Hierfür tritt die Mülheimer LINKE ein. Wir fordern einen umgehenden Beginn der Sanierungsarbeiten, ein Ende der Diskussionen um alternative Standorte, welche bei genauerer Betrachtung keine sind.


Chrstian Berg