
Mülheim an der Ruhr, 06.12.11
von: Louis Hong
7 Uhr. Von wenig Schlaf kann gar keine Rede sein, denn aus unerfindlichen Gründen bekam ich der Nacht überhaupt kein Auge zu. Erster Gedanke: Bin ich jemals an einem Samstagmorgen schon so früh aufgestanden? Vielleicht mag es mir irgendwann mal gelungen sein, erst um 7 Uhr ins Bett zu gehen, aber aufzustehen? Nein, ich konnte mich nicht erinnern. Definitiv rekordverdächtig und somit ein Kandidat für meine Biographie. Mein zweiter Gedanke widmete sich dem Wetter.
Denn schon am frühen Morgen zeichnete sich ab, dass die äußeren Bedingungen nicht auf unserer Seite sein würden. War der November noch der trockenste seit Beginn der Wetteraufzeichnung, so war der Regen an diesem Tag umso ausgiebiger und hartnäckiger. Wäre man zynisch, könnte man sich definitiv mit der Tatsache trösten, dass das Wetter hinsichtlich Unerfreulichkeit und Dauer noch um Längen hinter dem Protestobjekt zurücklag...
...und hier der ganze Bericht.
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Über 400 Zeitungen und Infoblätter bei stadtweiter Wurfaktion verteilt
Mülheim an der Ruhr, 06.12.11
von: Louis Hong
Im Rahmen einer stadtweiten Wurfaktion haben wir als Linksjugend-Basisgruppe in Mülheim an der Ruhr mit Unterstützung des Kreisverbandes der Partei DIE LINKE Ende November über 400 Zeitungen eingeworfen. Verteilt wurden die aktuelle Ausgabe der Solid-Zeitung sowie die Kampagnen-Zeitung „Bundeswehr raus aus den Schulen“.
Der Durchführung der Wurfaktion gingen sorgfältige Erörterungen und Planungen voraus, die eine Materialwahl auf die angeführten Zeitungen sowie ein Informationsblatt über die neu gegründete Mülheimer Linksjugend ergaben. Die entsprechend auf eine Anzahl von rund 400 Kopien vervielfältigten Blätter wurden jeweils in die Zeitungen eingelegt und mit diesen verteilt.
Durch die Wurfaktion, die sich auf die Stadtteile Dümpten, Styrum, Stadtmitte und Winkhausen (Heißen) konzentrierte, bezwecken wir das Informieren der Bürger über aktuelle politische Ereignisse, Kampagnen und die neue Linksjugend in der Stadt. Dies ist somit auch ein weiterer Schritt, um die Präsenz unserer neuen Gruppe in der Stadt zu stärken und Interessenten für die Linksjugend zu erreichen.
Mülheim an der Ruhr, 18.11.2011
von: Louis Hong
Den Demonstrationsort, welcher der Hirschlandplatz sein sollte, erreichten Dirk und ich zeitig vor dem offiziellen Beginn um 9:00. Kaum angekommen, bemerkte ich schon Jules, einen Kommilitonen vom sozialistisch-demokratischen Studierendenverband (LINKE.SDS), mit dem ich zwei Tage zuvor noch Flyer für den Bildungsstreik verteilte, und machte ihn mit Dirk bekannt. Zu unserer Gruppe sollten sich in den nächsten Minuten noch einige wenige linksorientierte junge Menschen gesellen.
Dirk und mir blieben noch genügend Zeit, um einiges an Infomaterialien, welche Dirk mitgebracht hatte, unter die Leute zu bringen. Das Verteilen verlief glücklicherweise sehr flüssig, denn die Demonstrationsteilnehmer zeigten sich wesentlich aufgeschlossener als die Passanten in der Mülheimer Innenstadt. Besonders die Zeitung zur Kampagne "Bundeswehr raus aus den Schulen" passte hervorragend zum Thema des Bildungsstreiks und erfreute sich großer Beliebtheit. Bei dem Ausgeben von Materialien waren wir übrigens nicht allein - so versuchten auch andere Vertreter von linksorientierten Parteien und Bündnissen ihre Zeitungen und Broschüren zu verteilen.
Eine Einladung der Antifa an uns zur Friedensdemo am 03.12. zeigten wir mit Verweis auf unsere nun entrollte Solid-Fahne als überflüssig auf, denn es liegt auf der Hand, dass wir als Jugendorganisation der einzigen Friedenspartei im Bundestag in Bonn vertreten sein würden - sonst könnten wir unseren Laden ja gleich dicht machen.
Das Mitbringen unserer Fahne erwies sich im Übrigen als goldrichtige Entscheidung, denn im Angesicht zahlreicher Vertreter anderer (fast ausschließlich linker) Parteien und Bündnissen war die Präsenz unserer Linksjugend dringend notwendig. Darüber ermöglichte sie uns als neu gegründete Mülheimer Linksjugend unser erstes öffentlichkeitswirksames Auftreten.
Bei der Betrachtung der Demonstrationszusammensetzung musste ich leider feststellen, dass anscheinend ziemlich wenige Studenten vor Ort und die meisten Demonstranten im jugendlichen , also in den meisten Fällen im schulpflichtigen Alter waren. Auch Jules ist der Ansicht, dass wir viel mehr Studierende hätten mobilisieren müssen. Dem ohnehin kleinen SDS ist aber kein Vorwurf zu machen - ganz im Gegenteil, es wurden in den vergangenen Tagen eine Menge Flyer vom SDS verteilt - die schon im Vorfeld klar als nicht optimal zu erkennende Organisation geht auf die Initiatoren zurück. Wie sollen denn viele junge Menschen mobilisiert werden, wenn sowohl SDS als auch unser Kreisverband erst am Wochenende vor der Demo davon erfahren?
So war es kein Wunder, dass die Teilnehmerzahl weit hinter der vor zwei Jahren bei meiner ersten Teilnahme am Bildungsstreik zurück blieb. Die diesjährige kann ich schlecht einschätzen, aber die im Medien gehandelten 200-300 dürften leicht pessimistisch, aber noch im Rahmen des Realistischen liegen. So ergab sich ein zumindest ganz ansehnlicher Zug, der durch die Essener Innenstadt zog und für einige staunende, aber auch Unterstützung signalisierende Passanten sorgte, aber noch viel, viel größer ausfallen können und angesichts der katastrophalen Bildungssituation in Deutschland auch müssen. Immerhin scheinen die Mitstreiter an den etwa 40 anderen Demonstrationsorten mehr Erfolg gehabt zu haben - so sind aus einigen Städten – darunter auch nahegelegene wie Dortmund – vierstellige Teilnehmerzahlen zu vermelden.
Zu wünschen ließen in Essen auch die Kundgebungen übrig. Hätte man kurze und prägnante Reden auf Bühnen statt etwas monotone Textvorlesungen aus einem Kleinbus gehalten, und hätte man ein ausreichend lautes Lautsprechersystem aufgebaut, wäre deutlich mehr Kampfeswille geschürt worden. So aber müssen sich die Initiatoren auch hier Kritik gefallen lassen.
Die zentralen Forderungen lagen aber ohnehin auf der Hand. Auf Schildern und in gerufenen Parolen wurden etwa kostenlose Bildung, mehr Geld für Bildung (statt für Banken, Rüstung und Konzerne), Abkehr von G8 und ein gerechtes, nicht ausgrenzendes Bildungssystem gefordert.
Die etwa zweieinhalb Stunden andauernde Demonstration verlief ohne größere Reibereien mit der Polizei, lediglich einmal kam es zu einem kleinen Zwischenfall, als ein harmloser Mini-Knallkörper in einer leeren Umgebung gezündet wurde. Diese Angelegenheit ließ sich nach "ein wenig Druck" seitens der Demonstranten aber friedlich klären.
Nach der Demo sollte ein Konzert stattfinden, unsere kleine Solid/SDS-Gruppe trennte sich aber an dieser Stelle, um den individuellen Verpflichtungen im weiteren Tagesverlauf nachzugehen.
Unseren "Auftrag", hinsichtlich des Bildungsstreiks etwas zu organisieren und durchzuführen, sehe ich trotz der absurd späten Benachrichtigung durch die Veranstalter somit als erfüllt an und ich muss sagen, dass mich das Tragen der Solid-Fahne durchaus mit einem gewissen Stolz erfüllt hat.
Unsere Solid-Gruppe hat ihr Bestes getan, um die Partei und die Parteijugend nach außen zu vertreten. Trotz der unglücklichen Umstände sehe ich unsere Aktivität als vollen Erfolg an.